Bei Urbane Künste ERbeLEBEN beschäftigen sich die Schüler*innen mit einer Vielzahl von Orten in ihrem städtischen Umfeld. Der Fokus liegt dabei in Berlin Mitte, im Viertel rund um den Alexanderplatz. Je nach Projekt und Jahresthema können die Orte einfache Straßen oder Plätze rund um die Schule sein, Nachbarschaftsinitiativen oder Plätze die durch eine besondere Nutzung hervorstechen. Wichtig ist die Bedeutung, die die Orte für die Schüler*innen haben oder haben können. So kann auch ein Supermarktparkplatz, den Schüler*innen in ihren Pausen nutzen, im Mittelpunkt eines Projektes stehen. Im Kern geht es darum, sich mit verschiedenen Charakteristiken und Möglichkeiten oder auch Problemen und möglichen Lösungen von städtischen Orten auseinanderzusetzen. Häufig stehen auch emblematische Gebäude und Orte im Fokus – so zum Beispiel die Ruine des Franziskanerkloster und der Bärenzwinger, die heute als Ausstellungsorte genutzt werden und mit denen Urbane Künste ERbeLEBEN kooperiert.
Hier sind einige der Orte, mit denen die Schüler*innen sich schon im Rahmen von Projekten bei Urbane Künste ERbeLEBEN beschäftigt haben:
Die Klosterkirche im Zentrum von Berlin war bis zu ihrer Zerstörung 1945 eine der führenden Bildungseinrichtungen Berlins, das Gymnasium zum Grauen Kloster. Heut ist die Klosterruine Berlin ein Ort für zeitgenössische Kunst. Seit 2018 finden in der Klosterruine jährliche Projekte von Schüler*innen bei Urbane Künste ERbeLEBEn statt. Diese Kooperation hat zu einer Vielzahl künstlerischer Reflektionen über den Ort geführt - von Performances bis zu Installationen. 2025 fand zwischen den Mauern der Ruine die Präsentation des Jahresprogramms statt. Die Ruine der Klosterkirche ist zu einem Baudenkmal geworden, die für den ständigen Wandel der Geschichte steht und an die Vergänglichkeit und die ständige Weiterentwicklung der Stadt steht.
Die Karl-Marx Allee wurde als die neue Prachtstraße in Ost Berlin geplant. Die neue Geschwindigkeit und Maße, die eine industrialisierte Stadt auffordert, äußern sich in der Stadtplanung. Aufgrund ihrer Breite von 90 Metern ist die Karl-Marx Allee eher zum Radfahren oder allgemeinen Fahren als zum Gehen geeignet. Die Bürger*innen stehen hier in einer ganz anderen Dimension zum Stadtraum. Die Reflektionen über Bewegung und Maßstäblichkeit waren Themen der Arbeit der Schüler*innen zur Straße.
Der „Alex“ ist ein kultureller Schmelztiegel, der zwar Konflikte verursacht, aber auch die Vielfalt einer europäischen Stadt spiegelt. Er erinnert auch an die Macht der Bürger*Innen, die dort am 4. November 1989 gegen die damalige DDR Regierung demonstrierten. Die Wechselwirkung zwischen einem Menschen als Individuum und seinem/ihrem Einfluss auf die Gesellschaft wird hier besonders sichtbar.
So viel leerer Raum (45.000 Quadratmeter!!) und ein abenteuerlicher Garten im Innenhof, mitten im Herzen der Stadt! Während der DDR saß in dem Gebäude die Staatliche Zentralverwaltung der Statistik (SZS). Nach der Wiedervereinigung zogen dann die Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Sicherheitsdienstes ein, die bis 2008 dort blieben. Eigentlich hätte das Gebäude 2015 abgerissen werden sollen, nachdem es seitdem leerstand. Doch eine Gruppe engagierter Künstler*innen, Architekt*innen und Politiker*innen konnten das zum Glück verhindern. Denn schließlich bietet die modulare Grundstruktur des stillen Riesen eine schon vorhandene Konstruktion, die flexibel umgenutzt werden kann. Seit 2018 beleben die Visionäre der Initiative "Haus der Statistik" das Erdgeschoss und planten wie das Gebäude in Zukunft belebt werden kann. Das Gebäude wir nun Stück für Stück geöffnet für Wohnen, Politik, Kunst und Aktivismus: arbeiten, lernen, spielen, experimentieren...und das alles im Sinne einer partizipativen Stadtentwicklung und des Gemeinwohls.
Ob das Alexa wohl als Gedenken an die Hökerinnen Berlins eine Namensabwandlung des Alex bekommen hat? Bis zum Bau des 2,5 Hektar großen Kaufhauses befand sich hier erst ein Polizeipräsidium, das anschließend durch eine Parkplatzfläche ersetzt wurde. Die Planung des Giganten in einer Interpretation des Jugendstils war Teil der Umgestaltung und Neustrukturierung des Alex und Umfeld des städtebaulichen Leitbilds „Planwerk Innenstadt“. Bei der Eröffnung am 1. Mai 2007 rannten hier so viele einkaufsfreudige Besucher*innen die Türen ein, dass ein Sachschaden von über 10.00 € entstand. Die Schüler*innen beschäftigten sich in verschiedenen Projekten mit der urbanistischen Bedeutung des Alexa und von Shopping Malls im Allgemeinen.
Dieses mittelalterliche Quartier entstand neben der Handelsstraße, die Berlin und Cölln verbunden hat. Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, wurde es 1980–1987 wieder aufgebaut. Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor für die Entstehung und Entwicklung der Städte schlechthin. Allerdings ist der Transfer von Waren und Gütern immer von einem Austausch kultureller Praktiken und Wertvorstellungen geprägt. Für Urbane Künste ERbeLEBEN entwickelten Schüler*innen ein Projekt über Austausch im Zusammenhang mit dem Viertel.
Wieso ist der Holzmarkt wichtig für die aktuelle Stadtentwicklung? Seit 2017 putzt das bunte Kreativdorf einen Teil des Spreeufers als öffentlich zugänglichen Freiraum heraus. Alle Gebäude sind aus dem Baustoff Holz gebaut, passend zur Geschichte des Ortes: 1685 wurde hier ein städtischer Holzplatz angelegt, der bis ins 19. Jahrhundert aktiv war. Wo heute bunte Holzhütten das Ufer fröhlich stimmen, patrouillierten während DDR-Zeiten Grenzsoldaten, denn der Holzmarkt war Teil der Sicherheitszone der an das Areal angrenzenden Mauer. Nach ihrem Fall siedelte sich die Berliner Clubkultur in den brachliegenden Gebäuden an: es wurde getanzt, bis das Informationszeitalter auch hier ankam und der Entwicklungsplan eines der größten Investorenprojekte Berlins, die ‚Mediaspree’ erstellt wurde. In diesen wurde auch die Fläche des Holzmarkt 25 eingebunden - eigentlich sollten hier Bürogebäude gebaut werden und die Uferfläche, wie auch die der angrenzenden Nachbarflächen, privatisiert werden (hier kannst du mehr darüber lesen). Da die Lage hier so heiß begehrt ist, war es nicht nur eine riesige Herausforderung für die Initiatoren, dieses modellhafte Quartiersprojekt zu entwickeln, sondern ebenso schwer, es am Leben zu halten! Auch wenn die Investoren in diesem Fall den Kürzeren zogen, hat der Tourismus dem Areal Einiges an Alternativität genommen. Für Schüler*innen also ein Ort mit reichhaltigen Themen für Auseinandersetzung mit der Stadt.
Kennt ihr die Planschen in Berlin Ost? Das sind große, freie Flächen zwischen der großen Wohnkomplexe, die während der DDR Zeit gebaut wurden. Im Sommer wurden diese betonierten Freiflächen mit Wasser geflutet, die dann wie kleine, flache Seen zwischen den Gebäuden lagen. Einst waren sie Treffpunkt der Nachbarschaft und kühlender Höhepunkt im Sommer, zu einer Zeit als für die Menschen im ehemaligen Ost-Berlin das Reisen durch die Welt oft nur im Kopf möglich war. Seit der Wende liegen sie still und werden im Sommer nicht mehr mehr zur Wasserspielfläche aufgefüllt. In der Nähe der Jannowitzbrücke, zwischen den Plattenbauten, neben einer Schule schlummert eine Plansche, die lange leer stand und auch für ERbeEBEN-Projekte genutzt wurde. In 2024 wurde die Plansche reaktiviert und funktioniert nun wieder als Spaßort für Kinder.
Der Rosenthaler Platz ist in der nähe der Schule und spielt eine zentrale Rolle in der Verkehrsanbindung. Wir gehen davon aus, daß alle Schüler_innen schon individuelle Erfahrungen/Gefühle zu dem Ort haben. Der RP ist im eigentlichen Sinne kein Platz sondern ein Transitraum verschiedener Mobilitätskonzepte. Fußgänger, Radfahrer, Autos, Tram, U-Bahn. Es treffen hier fünf Straßen aufeinander. Wir schätzen das allgemeine Verkehrsaufkommen als hoch ein und empfinden die Aufenthaltsqualität als gering ein. Wie könnte die City hier smarter werden?
Die Schillingstraße zwischen Jannowitzbrücke und Karl-Marx-Allee wirkt auf den ersten Blick versteckt und unscheinbar, besticht aber durch eine eigenartige urbane Mischung: möblierte Fußgängerzone, heruntergekommene Konsumtempel, Plattenbauten mit gezirkelten Parkanlagen und am Ende die Protzarchitektur von Café Moskau und Kino International. Hier ist Anspruch und Wirklichkeit des sozialistischen Stadtentwurfs heute noch spürbar, und die Zukunft der Straße ist nach diversen gescheiterten Neuanfängen immer noch offen. Das lässt Raum für eigene Projektionen und Entwürfe, wie wir in Zukunft im Herzen von Berlin leben wollen.